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Ein literarisch-musikalischer Abend mit dem Chevalier de Casanova am 21.11.2009

"Der Chevalier und das weibliche Geschlecht"
Norbert Hein in einer seiner Glanzrollen und die beiden Verführerinnen Irina Schädlich und Stefanie Metzig / Stefanie Roeser


Beschaulich - frech - frivol - unterhaltsam

Im Spannungsfeld der ewigen Liebe gestaltete Norbert Hein alias Chevalier alias Casanova (Giacomo Girolamo Casanova; ein venezianischer Schriftsteller, Abenteurer und Libertin des 18. Jahrhunderts; bekannt durch Schilderungen zahlreicher Liebschaften und als "Sinnbild des Verführers") einen heiteren Abend unter dem Motto "Der Chevalier und das weibliche Geschlecht."

Dass der Organisator, Herr Rolf Wicke, mit der Wahl dieses Themas den Geschmack von Jung und Alt gleichermaßen getroffen hatte, bewiesen die Jahrgänge der Gäste und der bis auf den letzten Platz gefüllte Saal des Mayoratsgutes. Schon beim Betreten der ehrwürdigen musealen Gemäuer ließ sich mancher Besucher in die Zeit Chevaliers entführen. Im sparsamen, aber geschmackvollen Ambiente waren die Besucher sofort bereit, diesem Herren und seinen Damen zu folgen. Frau Cornelia Klinks einfühlsam vorgetragene Musik endete noch im Beifall der Gäste, da schlüpfte eine sparsam bekleidete junge Frau (Stefanie Metzig), nach eigenen Beteuerungen noch "Jungfer", in den gefüllten Raum. Mit kesser Deutlichkeit forderte sie Chevalier auf, sie in den "Dingen der Liebe" zu unterrichten. Dem mit Worten über die Hingebung noch sehr gewandt agierenden, jedoch in die Jahre gekommenen und durch seine Leibesfülle eher etwas hinfällig wirkenden Liebeslehrer erging es offenbar so wie manch einem unserer Zeitgenossen... Man mochte zwar dem gealterten, fülligen Studiosus, Spieler, Abenteurer, ja sogar Spion in spe schon glauben, dass er an die 100 Frauen intim unterrichtet hatte und dadurch Eingang in die vornehmsten Adelshäuser fand. Im Mayoratsgut half ihm aber weder die Einnahme von Viagra noch die glühende junge Frau auf seinem Schoß zum Erwachen seiner Männlichkeit: Nein - er schlief!- tief und fest. Als er letztlich doch erwacht die schmachtende Schülerin ins Schlafgemach entführte, waren nicht wenige im Saal überzeugt: Es wird ein Schauspiel - aber - ach ein Schauspiel nur...

Wie aus der Asche auferstanden, duellierte sich der kampfeslustig gewordene Chevalier anschließend mit einer Journalistin (Irina Schädlich) zum Thema Erschaffung des Weibes und des Mannes. Lobpreisungen zum gelungenen Werk der Erschaffung des "vollkommenen Weibes" folgte herbe Kritik an der mit Unlust gestalteten Männlichkeit. ("...Männer - so unnütz wie Unkraut, wie Fliegen und Mücken, so lästig wie Kopfweh und ziehen im Rücken, so störend wie Bauchweh und stets ein Tyrann, das ist der Halbmensch, sein Name ist Mann...") So flogen Spottpfeile, vergiftet mit etwas Rachsucht, zwischen den Beiden hin und her, bis die "Allmacht der Liebe" die Geschlechter wieder vereinte. Das war ein frivol - amouröser Kampf, welcher vom Publikum mit Lachsalven quittiert wurde.

Allerdings wirkten die vorgetragenen, zum Teil zu intensiv abgelesenen, Argumente gelegentlich etwas unecht und ließen der Mimik - eben dem Spiel mit der Vielfalt der Erotik - zu wenig Platz. Eine engere Bindung in diesem Disput an die reizvollen Amouren Casanovas an Stelle aktualisierter Passagen hätten der Ansage und den damit verknüpften Erwartungen sicher passender entsprochen.

Die Quintessenz des gesamten Geschehens übernahm die listige Schülerin in Sachen Liebe selbst, als sie einen eigens verfassten, aus ihrem Busen gezogenen Brief an ihre Frau Mama vorlas. Der Text strahlte jene Kraft der verborgenen Liebe aus, gegen die zu allen Zeiten kein Kraut wuchs. Die anfangs selbst beteuerte Jungfernschaft der kecken jungen Dame schien danach ebenso vergangen wie die praktischen Lehrunterweisungen in den Liebeskünsten des ergrauten Chevaliers.

Virtuos vorgetragene Musik von Frau Klink schloss den Rahmen eines sehr kurzweiligen Abends. Und wenn ich die ausgelassene Stimmung, manchen verstohlenen Blick und die geröteten Wangen einiger Besucher als zustimmende Wirkung deuten darf, dann kann ich nur sagen: Bravo, Rolf Wicke! Bravo Ihr umsichtig wirkende Mamsells des Seniorenclubs!


Manfred Meusel


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