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1. Kammermusikkonzert am 13.07.2008

Wie schnell doch so ein "Dorfklatsch" funktioniert! Kaum hatte ich die ersten Plakate im Dorf verteilt und war gerade dabei, das letzte noch im Unterdorf in einem Geschäft aushängen zu lassen - schon holten mich erste Meinungen zum Kammermusik-Konzert im Mayoratsgut ein - und diese Meinungen waren durchaus sehr unterschiedlichen Inhalts. Die einen meinten: "Na ja , sollen sie mal machen. Für mich ist das nichts, das ewige Gefiedel." Die anderen: "Schade, da ist schon mal so was auf dem Dorf und wir sind nicht da." Die dritten hatten gar die Meinung: "Das wird hier nie was! Wenn es wirklich jemand gibt, der das Gedudel hören will, die fahren doch nach Dresden oder wenigstens nach Freiberg." Das kann ja heiter werden, sagte ich mir, vermied es nahezu, ins Dorf zu gehen, um ja nicht noch mehr negative Meinungen zu hören. Demzufolge war ich auch kaum erstaunt, als der Kartenvorverkauf katastrophal verlief.

Also hieß es, Kräfte mobilisieren, Anrufe tätigen, Seniorinnen und Senioren interessieren, Presse einschalten, werben! Werben! Werben! Der Abend des Konzertes kam! Heikel war die Stimmung bis zuletzt! Die Abendkasse brachte noch zwanzig Karten als Einnahme, so dass 60 Plätze verkauft waren. Immerhin! Wir hatten uns alle Mühe gegeben, das Haus zu beleuchten, festlich herzurichten, zu dekorieren und insgesamt den Eindruck zu vermitteln: "Tritt ein! Du bist uns willkommen! Wir freuen uns auf Dich!" Und so gestimmt traten auch die Gäste über die Schwelle, schauten sich hier um und entdeckten da etwas Interessantes und sahen dem Ereignis froh gestimmt entgegen. Clever hatten wir 62 Stühle gestellt, einen Platz gaben wir der Fahrerin der jungen Künstler kostenfrei und somit blieb nur ein Stuhl frei. Die Atmosphäre war einfach toll, als wir alle saßen.

Jetzt öffnete sich die Tür zum Verandazimmer und die Künstlerinnen und der Künstler traten mit ihren Instrumenten ein und nahmen unter Beifall Platz. Ein kurzes Stimmen und Überprüfen der Bespannung der Streichinstrumente und schon erklangen die ersten Töne des Allegro aus dem Quartett in C-Dur von W.A. Mozart. Noch stimmten die Tempi nicht ganz, was uns auch die Blicke der Violinistinnen untereinander, ein schamhaftes Lächeln, ein leichtes Erröten verrieten - ich sah in der Aufgeregtheit die Ursache und konnte es ignorieren, da die vier jungen Künstler zunehmend an Sicherheit gewannen und es offensichtlich war, dass auch ihnen das gemeinsame Spiel großen Spaß bereitete. Nicht alle Konzertbesucher waren schon so erfahren, dass man zwischen den einzelnen Sätzen des Quartetts keinen Beifall zollt, aber der Stimmung hat dies nicht geschadet - erst war das Quartett etwas irritiert, nahm den unerwarteten Beifall dann jedoch zum Anlass, noch beherzter ins Andante zu gehen und fulminant steigerte es sich im Presto. Nun durfte verdientermaßen applaudiert werden. Schostakovitsch ist sicher nicht jedermanns Geschmack, vielleicht auch einen Touch zu modern, dachte ich noch, als das Allegro schon erklang. Fasziniert hat mich jedoch in allen drei Sätzen, Allegro, Lento, Allegro, mit wie viel Hingabe, Schwung, Zartheit, Vielfalt der Klangfarben und solidem Handwerk diese schwierige Musik zu Gehör gebracht wurde. Nicht nur die 1.Geige, Katharina Voy - auch Jevgeny Zapozhnikov am Cello führten hier sicher ihre Musici, dass es eine Freude war! Auch die Pause erlebte ich durchaus frohen Mutes! An festlich mit Hussen verhüllten Bistro-Tischen standen die Konzertbesucher und unterhielten sich mit einem Getränk in der Hand.

Es wurde beim Herumhören schon klar, wer routinierter Konzertbesucher war und wer sich diese Art Musik sogar zum ersten Male "antat". Selbst erfahrene Hörer waren von der Atmosphäre des Abends sehr angetan und lobten vor allem auch das Habit, das Aussehen und die gastfreundliche Umsicht der "Mägde" des Abends. Sehr diszipliniert nahmen nach der Pause alle ihre Plätze ein und hörten nun als erstes das Allegro und das Andante cantabile aus Beethovens Streichquartett A-Dur. Für viele ist dies eines der Bravourstücke eines Streichquartetts. Mich faszinierte weniger das Spiel, als die Mimik, die Blicke, das Lächeln der Künstler - die innere Absprache also, wie was, wann, mit welchem Ausdruck zu spielen sei. Der Quartettsatz Franz Schuberts, ein Werk, welches erst posthum erschien, gehörte sicher nicht zu den Glanzpunkten des Abends, wurde jedoch mit sicherem Handwerk solide zu Gehör gebracht und ist wohl sowieso nicht dazu angetan, die Seele "fliegen zu lassen". Die jungen Künstlerinnen und Künstler haben mich persönlich überzeugt. Es war faszinierend, ihrer brillanten Technik, sprich: auch ihrem Fingerspiel zusehen zu dürfen, ihrem sicheren Hinübergleiten in schwierigere Passagen, dem Wechsel zwischen piano und forte lauschen zu dürfen und ihnen die Freude am Musizieren absolut zu glauben.

Insgesamt fand ich, dass uns das erste Konzert durchaus gelungen war, dass die Atmosphäre im Haus nicht zu toppen war und wir erfolgreich die erste Hürde zur Einführung auch anspruchsvollerer Kultur im Mayoratsgut genommen haben. Ich bin mir sicher, dass wir zu einem weiteren Konzert dieser Art auch neue, vielleicht auch nur neugierige Gesichter sehen werden. Und vielleicht gehören die ja dann auch zu denjenigen, die ihre Meinung so oder ähnlich äußern, wie ein Gast, der zum ersten Mal zu einem Kammermusik-Konzert war:  Nie hätte ich gedacht, dass man seine eigenen Gedanken bei der Musik haben kann, dass man Musik genießt und dabei herrliche Erinnerungen wach werden!. - Viele fragten nach einem nächsten Konzert

Rolf Tilo Wicke


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